Die Tabakindustrie

Autor: Dennis Schult über Unternehmen, die in der Werbung vor ihren eigenen Produkten warnen.

 Neben der Waffen- und der Alkoholindustrie wird kaum ein anderes produzierendes Gewerbe so vielen Einschränkungen unterworfen, wie es bei den Tabak-Konzernen der Fall ist. Aber wie sieht der Markt eigentlich aus, in dem die Unternehmen agieren und was für einen Einfluss kann die Tabak-Lobby auf die Politik ausüben? Im Folgenden werden einige Aspekte dargelegt, die eine Vorstellung von dem geben, wie die Tabak-Industrie aufgebaut ist und wie sie agiert.

Die Herstellung und der Handel von Tabak, Zigaretten und Zigarren sind rund um den Globus weiterhin ein Milliardengeschäft. Allein in Deutschland konnte die Branche zuletzt einen Gesamtumsatz von 13 Milliarden Euro pro Jahr erreichen. Tabakunternehmen erzielen hohe Gewinne. Die Reemtsma Zigarettenfabriken, die in Deutschland einen Marktanteil von 25% am Tabakmarkt aufweisen, erwirtschaften einen Gewinn von 573 Millionen Euro bei einem Umsatz von einer Milliarde Euro. Die Aktienkurse von internationalen Konzernen wie British American Tobacco, Philip Morris und Imperial Tobacco steigen oder bleiben auf hohem Niveau stabil. Während Ärzte vom Griff zur Zigarette abraten, empfehlen Börsenexperten beim Tabak ordentlich zuzulangen.

Das Problem beim Tabakkonsum ist, dass er nachweislich der Gesundheit schadet und Raucher früher sterben als Nichtraucher. Neben 121 Ländern, die sich laut WHO an zumindest einer der Maßnahmen gegen das Rauchen beteiligen, gibt es 60 Staaten in denen dahingehend gar nichts unternommen wird. Die Bemühungen der Tabakindustrie konzentrieren sich hauptsächlich auf Entwicklungsländer, da die Raucherzahlen in den westlichen Staaten weitestgehend stagnieren. In den Entwicklungsländern werden große Wachstumsmärkte erwartet, die voraussichtlich keinen massiven Einschränkungen seitens der Politik ausgesetzt sein werden. Deshalb wird der Anbau des Tabaks vorrangig nach Mittel- und Südostafrika oder Brasilien verlegt. Die Marktdominanz einzelner großer Tabakkonzerne führt dazu, dass sie den Bauern in einigen lokalen Märkten Preise zum Verkauf diktieren können. In mehreren Anbauländern kaufen lediglich ein bis zwei Unternehmen die Tabakprodukte der Bauern auf. Diese haben folglich keine Wahl, an wen sie ihre Ware weiterverkaufen können, gerade wenn sie mit den Konditionen der Tabakkonzerne nicht einverstanden sind. Der Tabakanbau ist in weniger entwickelten Ländern für die meisten Bauern weitaus lukrativer, als z. B. der Anbau von Zuckerrohr oder Mais. Die Ernte des Tabakanbaus ist jedoch für den Export in andere Länder vorgesehen. Die Ernte von Zuckerrohr und Mais dient der Ernährung der eigenen Bevölkerung und muss durch die Regierung u. U. zu teureren Preisen reimportiert werden, wenn zu viel Tabak und zu wenig Lebensmittel angebaut werden.

Geraucht wird immer

 Weltweit ist die Anzahl der Raucher zwischen 1990 und 2015 um knapp ein Drittel auf ungefähr 15,3% gesunken. Die absolute Anzahl an Rauchern ist aber wegen des Bevölkerungswachstums in dieser Zeit von 880 Millionen auf 933 Millionen gestiegen. 96% aller verkauften Tabakprodukte sind Zigaretten. Doch welche Unternehmen verbergen sich eigentlich hinter den unzähligen Zigarettenmarken, die es mittlerweile gibt und deren Produkte augenscheinlich identisch aussehen? Philip Morris International liegt mit einem Börsenwert von 132 Milliarden Euro und einem Jahres-Umsatz von 68,6 Milliarden Euro an erster Stelle der weltweit größten fünf Tabakkonzerne. Das Unternehmen verkauft Zigaretten in über 180 verschiedenen Ländern, mit einem Anteil von 15,5% am weltweiten Tabakmarkt. Zu dem Unternehmen zählen sieben der weltweit fünfzehn Top-Zigaretten-Marken, wie Marlboro, Virginia Slims, L&M und Chesterfield. Altria folgt mit einem Börsenwert von 105 Milliarden Euro auf Platz zwei und erreicht mit der Tochter-Firma Philip Morris USA in den Vereinigten Staaten einen Marktanteil von 50%.

Der Tabak und die Politik

 Die Politik der einzelnen Länder ist dafür verantwortlich über Kontrollmaßnahmen, wie z.B. Verbote des Rauchens in der Öffentlichkeit oder die Erhöhungen der Tabaksteuer zu entscheiden. Daher legt die Tabaklobby ein großes Augenmerk darauf, über Interessenverbände Einfluss auf verschiedenen Ebenen auszuüben. Dies gelingt u. a. durch PR-Kampagnen, finanzielle Unterstützung politischer Parteien – durch Sponsoring von Parteitagen oder Spenden, oder durch die Verhinderung strengerer gesetzlicher Regelungen durch die Vorwegnahme im Rahmen von freiwilligen Selbstbeschränkungen. So wurde auch der 31. CDU-Parteitag 2018 als richtungsweisender und wichtiger Termin mit der Wahl Annegret Kramp-Karrenbauers zur CDU-Vorsitzenden möglich gemacht durch Spenden von Wirtschaftsunternehmen. Auffällig hierbei waren die vielen Tabakkonzerne, die als Sponsoren für die Veranstaltung gelistet waren, wie Philip Morris, JTI, der Deutsche Zigarettenverband oder das Bündnis für tabakfreien Genuss als Interessenverband der Tabak-Lobby.

In Deutschland werden jährlich ca. 106 Milliarden Zigaretten geraucht. Die Tabaksteuer bringt der Regierung ca. 14 Milliarden Euro pro Jahr ein. Demgegenüber steht jedoch eine Summe von ca. 21 Milliarden Euro jährlich, die von den wenigsten Politikern erwähnt wird und die sich einerseits aus den Kosten für Folgeerkrankungen des Tabakkonsums im Gesundheitswesen (ca. 7,5 Milliarden) und andererseits aus indirekten Kosten (13,5 Milliarden Euro)- z. B. bei Ausfällen in der Produktion, Frühverrentungen oder Umweltschäden zusammensetzt.

Dennis Schult

Universität Rostock

LA Grundschule (Mathematik, Deutsch, Englisch, Sachunterricht)

Literatur/Quellen:

Die Wirtschaftswoche:

www.wiwo.de/unternehmen/handel/zigarettenindustrie-der-langsame-tod-der-tabakkonzerne/9969402.html

boerse.ARD.de:

boerse.ard.de/anlagestrategie/branchen/die-fuenf-groessten-tabakkonzerne100.html

DAK-Gesundheit:

www.dak.de/dak/gesundheit/tabakindustrie-1091698.html

Tabakaltlas:

www.unfairtobacco.org/tabakatlas/

de.sputniknews.com/politik/20181212323250272-spendenaffaere-werbe-finanzen-cdu/

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