Eine Moschee für Rostock?

Autor Tobias Dietzek kommentiert die Diskussion über den Moscheebau in Rostock

Eine Moschee für Rostock? Diese Frage begegnete uns in den letzten Tagen bereits öfter. Rostock soll eine Moschee bekommen und in den Nachrichten, auf der Straße und den sozialen Netzwerken kreuzen sich die Meinungen. Nachdem viele Menschen Befürchtungen, Hoffnungen und Einschätzungen teils reflektiert und teils emotionalisiert mit anderen geteilt haben, sollen mit diesem Artikel einmal die Fakten aufgezeigt und eine Positionierung zu der Diskussion über dieses Thema vorgenommen werden.

Zunächst einmal die Frage: Worin könnte die Notwendigkeit einer Moschee für eine Stadt wie Rostock bestehen? Laut OZ leben in der Hanse- und Universitätsstadt rund 2000 Muslime. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt den Artikel 4 Abs. 2 des Grundgesetzes, der besagt, dass die ungestörte Religionsausübung gewährleistet sein muss, kann auf dieser Grundlage für den Bau einer Moschee argumentiert werden. Natürlich sind die Traditionen des Islams, wie auch beispielsweise die des Christentums, zuhause ausübbar, jedoch gehört es ebenso zu der Tradition dieser Religionen, Gebete, Mahlzeiten oder Ähnliches in größerem Kreis in einem Gotteshaus zu veranstalten. Mit 2000 Personen leben im Vergleich zu den Jahren vor der Flüchtlingskrise (2015: rund 350 Muslime) nicht wenige Muslime in Rostock, die ein Recht auf derartige Veranstaltungen haben, wenn das Grundgesetz so ausgelegt wird.

Existiert momentan kein muslimisches Gotteshaus in Rostock? Doch, dieses befindet sich in der Erich-Schlesinger-Straße. Im Vergleich zu den Rostocker Kirchen ist sie jedoch eher unscheinbar, da es sich um ein ganz normales Haus handelt, dass der wachsenden Anzahl an Gläubigen nicht mehr genügen kann und sowieso in den nächsten Jahren einem städtischen Bauvorhaben zusammen mit vielen Kleingärten in der Nähe weichen muss. Aus persönlicher Perspektive wirkt das für eine mittelgroße Stadt wie Rostock wie ein Armutszeugnis, da Berichten zufolge auch im Winter teilweise unter freiem Himmel gebetet werden musste.

Es sollte aus meiner Sicht außerdem auch in Zeiten großer Debatten über Einwanderung und Migration normal sein, das erkämpfte Recht auf Religionsfreiheit möglichst jeder Gruppe zukommen zu lassen. Dazu gehört schlussendlich auch die Existenz eines Gotteshauses in größeren Städten, dass der Anzahl der Glaubensbekennenden gerecht wird. Bei diesen Fragen können jedoch die Meinungen wie bereits erwähnt auseinandergehen und somit sollen sie auch nicht weiter betrachtet werden. Viel wichtiger ist es nämlich danach zu schauen, wo Fakten angebliche Argumente entkräften.

Bei den nun folgenden Argumenten beziehe ich mich auf den unten verlinkten Facebook-Beitrag der OZ und die Kommentare dazu:

„Wir (die Steuerzahler/Stadtbewohner) bezahlen aktiv den Bau der Moschee mit“

Dieser Einwand, das klar von Gegnern der Bau-Idee stammt, lässt sich leicht widerlegen: Wir können uns alle, wenn wir wollen, am Bau der Moschee beteiligen, da der islamische Bund Rostock durch eine Spendenaktion dafür die Möglichkeit bietet, jedoch zahlt niemand der nicht zahlen will. Für die Stadt Rostock kommt nach eigenen Angaben nur eine Erbpacht in Frage, was bedeutet, dass eine befugte Person oder Personengruppe, in diesem Fall die Islamische Kirche der Stadt Rostock, das Grundstück für eine bestimmte Dauer pachten wird. Dafür fallen dann Zahlungen an, die in einem bestimmten Rhythmus an die Stadt verrichtet werden müssen. So gesehen macht Rostock mit dem Bau einer Moschee sogar Umsatz, da ein ungenutztes Stück Boden verpachtet wird.

„Nicht der Bau, sondern die Lage ist das Problem“

Dieser Einstellung folgen online ebenfalls viele Rostocker, die kein Problem darin sehen, dass Rostock eine Moschee bekommt, sondern wo diese stehen soll. Geplant ist eine Grünfläche in der Nähe des Holbeinplatzes. Damit steht das Gotteshaus zunächst an einer Hauptstraße, was mehrere Bürgerinnen und Bürger nicht gut heißen, da es sich bei genannter Stelle um einen der zentralen Plätze der Stadt handelt. Diese Beründung teilt auch Leif Eric Holm der AfD, der für den Bau einer Moschee einen Bürgerentscheid fordert: „Der Bau von Moscheen greift massiv in das Stadtbild und in die Wohnqualität der Anwohner ein.“ (https://www.afd-mv.de/aktuelles/2019/01/holm-kein-moscheebau-in-rostock-ohne-buergerentscheid/)

Viel wichtiger ist aus persönlicher Sicht jedoch das weitere Umfeld, da der Stadtteil Reutershagen einige mögliche Problemfaktoren mit sich bringen könnte. Zunächst wäre dort das Fußballstadion, dass hier als Beispiel dienen soll. In Rostock gibt es, wie auch in jeder anderen Stadt, eine vielschichtige Fankultur und somit auch unter anderem rechte Fangruppierungen, die nicht selten Ausschreitungen hervorrufen und für die Notwendigkeit großer Polizeiaufgebote bei Fußballspeilen nicht unverantwortlich sind. Der Verein spricht sich auf seiner Internetseite jedoch gegen die (vor allem rechte) Politisierung des Sports und der Mannschaft aus. Trotz dessen kann nicht abgestritten werden, dass eine solche politisch motivierte Fankultur auch in Rostock existiert.

„Es sollte mehr in Altenheime/Obdachlosenunterstützung etc. investiert werden“

Diese Kritik lässt sich mit der bereits gestellten Finanzierungsfrage klären. Wie beschrieben, wird kein Geld aktiv von der Stadt investiert, sondern die islamische Gemeinde Rostocks zahlt den Bau der Moschee vollkommen selbst, ebenso die Pacht für das Grundstück. Kritik könnte daran ausgeübt werden, dass der Platz nicht beispielsweise für ein Altenheim, sondern für eine Moschee genutzt werden soll.

Was vor allem bei dem zuletzt aufgeführten Punkt auffällig war: Hätten die Personen, die ähnliche Kommentare verfassten, den Artikel der OZ nicht nur kommentiert, sondern vorher auch gelesen, wären die Kommentare möglicherweise nicht aufgetreten, da beispielsweise die Frage danach, wer den Moscheebau bezahlt, bereits vom Autor der OZ geklärt wurde. Ich möchte hier auf ein generelles Problem aufmerksam machen: Den Umgang mit Medien.

Alleine die Überschrift „Rostock plant Moschee nahe dem Ostseestadion“ sorgte für Kritik, die beim Lesen des gleichen Artikels direkt obsolet werden würde. Daher ein kleiner Apell: Hört nicht zwingend darauf, was andere schreiben, kommentieren oder sagen, sondern informiert euch selbstständig!

Nur so ist Debattenkultur möglich. Facebook bietet uns hierfür einen ganz besonderen Raum, wo nicht wie in einem Uniseminar auf jeden Wortlaut geachtet werden muss, aber wir müssen auch lernen, mit dieser Chance für politische Diskussionen umzugehen und sie nicht zu verschenken.

Es kann schlussendlich kritisch gesehen werden, dass Rostock eine Moschee bekommt oder dass sie genau dort steht, aber sollte man sich doch bei der Argumentation seines Standpunktes auch sicher sein, dass das die eigenen Argumente auf Informationen beruhen und nicht auf einem Konjunktiv.

Tobias Dietzek

Universität Rostock

LA Gym Sozialkunde/Geschichte

Literatur/Quellen

Facebook-Post, dessen Kommentare genauer betrachtet wurden: https://www.facebook.com/Ostseezeitung/posts/10157110391761108 [letzter Zugriff: 05.02.2019].

Definition des Begriffes Erbrecht: https://www.drklein.de/erbpacht-faq.html [letzter Zugriff: 05.02.2019].

Spendenaktion des Islamischen Bund Rostock: http://www.moschee-rostock.de/ [letzter Zugriff: 05.02.2019].

Informationen über Bau der neuen Moschee: http://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Rostock-plant-Moschee-nahe-des-Ostseestadions [letzter Zugriff: 05.02.2019].

Informationen über möglichen Abriss des bisherigen Gebäudes: https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Keine-neue-Moschee-fuer-Rostocker-Muslime,moschee606.html [letzter Zugriff: 05.02.2019].

Stellungnahme der AfD/ Leif Eric Holm: https://www.afd-mv.de/aktuelles/2019/01/holm-kein-moscheebau-in-rostock-ohne-buergerentscheid/ [letzter Zugriff: 05.02.12019].

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