Der OB-Kandidat der UFR

Autor: Tobias Dietzek über Dirk Zierau, den OB-Kandidaten der UFR

Im Folgenden wird euch ein weiterer OB-Kandidat für Rostock vorgestellt: Dirk Zierau. Er wird unterstützt durch die sogenannten „UFR“ – den Unabhängigen Bürgern für Rostock.  Dabei handelt es sich um ein Wählerbündnis, welches sich online auf die Fahnen schreibt, parteiübergreifende Sachpolitik in die kommunalen Entscheidungsgremien zu tragen. Die Gruppierung besteht aus Bürgerinnen und Bürgern, welche nach eigener Darstellung für Dialog, Transparenz und Verlässlichkeit, die Umsetzung von Zukunftsvisionen und das Voranbringen der Hanse- und Universitätsstadt Rostock stehen. Der letzte Oberbürgermeister, Roland Methling, ist ebenfalls Mitglied dieses Bündnisses.  

Neben seiner Tätigkeit für die Stadtverwaltung ist der OB-Kandidat Dirk Zierau Jurist und war in der Vergangenheit Geschäftsführer der Kommunalberatung Kubus in Schwerin. Hinter diesem Namen steckt die sogenannte „Kubus- Kommunalberatung und Service GmbH“. Diese Firma besteht aus Volljuristen und Diplom- Betriebswirten/Ingenieuren/Informatikern/Verwaltungswirten, die eine beratende Rolle in der Kommunalpolitik einnehmen. Es geht um Kostensenkung, Optimierung und Effizienzsteigerung von Verwaltung, Haushalt oder dem kommunalen Betrieben. Seine vergangene Arbeit dort könnte unter Umständen durch gemachte Erfahrungen Auswirkungen auf seine Politik haben, falls er die Nachfolge Methlings antritt.  

In einem Video auf Facebook wird der OB-Kandidat vorgestellt. Jedoch fällt auf, dass die Argumente, die Anwendung finden, um den Wähler davon zu überzeugen, Zierau zu wählen, kaum Inhalte vermitteln. Zunächst wird die persönliche Meinung Methlings als Argument genutzt, der aussagt, dass Zierau ein starker, bodenständiger Kandidat sei, der wisse, was die Rostockerinnen und Rostocker bewegt und davon Kenntnis besäße, wie man eine dynamische Stadt wie Rostock in Bewegung hält. Für diese Eigenschaften Zieraus werden nun jedoch keine weiteren handfesten Argumente geliefert, die diese untermauern und begründen könnten, womit die Äußerungen Methlings höchstens alleinstehend dessen Sicht vermitteln. Nach einem kurzen biographischen Einblick in das Leben Zieraus nennt dieser Argumente für eine Wahl zu seinen Gunsten: Im Mittelpunkt steht die Parteilosigkeit des Kandidaten. Ungeleitet von Parteiinteressen sei Zierau laut eigenen Aussagen dazu in der Lage ausschließlich für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger Rostocks da zu sein. Dem fügt er hinzu, dass eben diese zu jeder Zeit mit Problemen zu ihm kommen könnten. Ob hier eine nicht ganz realistische Arbeitsart eines Oberbürgermeisters versprochen wird ist diskutabel. Schließlich hat ein Oberbürgermeister viele verschiedene Termine und Verpflichtungen. Dass er persönlich dann auch „jederzeit“ für die Rostocker da sein kann, gilt es auf jeden Fall anzuzweifeln. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass hier die Wahl Zieraus beworben wird, indem seine Parteilosigkeit in den Vordergrund gerückt wird. Diese Eigenschaft trifft jedoch auch auf andere OB-Kandidaten zu, wie beispielsweise Claus Ruhe Madsen. Von konkreten Zielen für Rostock wird nicht gesprochen.  

Zum inhaltlichen Konzept des Kandidaten für Rostock erhält man jedoch aus anderen FB-Beiträgen von ihm Informationen. So will Zierau die Politik Methlings weiterführen. Dies bedeutet zum einen, die großen Projekte für die Stadt ohne Überschuldung zu realisieren. Dazu gehören die BUGA, eine Eis- und Schwimmhalle im IGA-Park, eine neue Feuerwache, der Ratshausanbau oder das Volkstheater. 

Als Grundlage seines zukünftigen Handelns nennt er, auf den Taten Methlings begründet, nicht mehr Geld auszugeben, als die Stadt Rostock hat, um einen ausgeglichenen Haushalt beizubehalten. Inwiefern das mit den zuvor genannten Großprojekten gemeinsam innerhalb einer Amtszeit zu realisieren ist, bleibt jedoch abzuwarten.  

In einem anderen Post spricht der Wahlrostocker davon, Interessen von Vereinen, (Sozialleistungs-)Trägern, Verwaltung, kommunalen Unternehmen, privaten Unternehmen und allen Rostockern zusammenzuführen. Für dieses Vorhaben sieht er in der Stadtverwaltung, die er zurzeit leitet, das Bindeglied. Die Umsetzung dieser Aussage könnte sich jedoch als schwierig erweisen, da die Interessen aller Rostocker sich teilweise grundlegend unterscheiden, bedenkt man Bauprojekte wie den Moscheebau oder die Fokussierung der Ausgaben der Stadt für verschiedene Zwecke.  

Schlussendlich ein Blick auf die Internetseite des Kandidaten. Dort erfährt man persönliche Details zu Zieraus Person, sowie seinem Werdegang und wird auf seine Accounts bei Facebook, Twitter und Instagram weitergeleitet. Mit einem Download- Link bekommen Interessierte einen Einblick in seine Ziele. 

Zu diesen gehören neben bereits genannten sechs weitere, die nun kurz dargestellt werden: 

  1. Wohnraumprobleme lösen: Dieses Ziel möchte Zierau gemeinsam mit der WIRO, Wohnungsgenossenschaften und regionaler Privatwirtschaft realisieren. Unter anderem zielt er darauf ab studentisches Wohnen zu fördern, ebenso wie einen Milieuschutz der KTV. 
  2. Rostock kinder- und familienfreundlicher entwickeln: als Ziele nennt er unter diesem Punkt unter anderem Hortplätze an Schulen, besseres Kita/Schulessen, die Gründung moderner Familienzentren oder die Bebauung der Rostocker Grünflächen mit Sport-/Freizeiteinrichtungen 
  3. Senioren unterstützen: Senioren sollen nach der Vorstellung Zieraus Vergünstigungen durch einen Seniorenfond erhalten. Außerdem stehen unter diesem Punkt Ziele wie die Barrierefreiheit oder die Gehwegerneuerung. 
  4. Breitensport für Jung und Alt fördern: Neue Sportanlagen, mehr Stadttrainer oder auch ein Sportförderplan sind unter diesem Punkt als Zielvorgaben neben einigen anderen aufgelistet. 
  5. Verkehrsinfrastruktur überarbeiten: Hier zielt Zierau auf eine ökologischere Infrastruktur (z.B. attraktiverer ÖPNV; bessere Radwege)  
  6. Heimische Wirtschaft fördern: An dieser Stelle spricht sich der OB-Kandidat gegen eine Anhebung des Gewerbesteuersatzes aus, möchte den Fachkräftemangel bewältigen, Studenten an die Stadt binden, Start-Up’s fördern oder auch das Internet der Stadt verbessern. 

Gegenüber der OZ bekräftigte der Kandidat für das OB-Amt, dass er durch seine derzeitige Tätigkeit als Leiter der Personal- und Rechtsabteilung wisse, wie man das Unternehmen Stadt leite. Die Bezeichnung der Hanse- und Universitätsstadt als Unternehmen ist an dieser Stelle in jedem Fall diskutabel. Auch wie bereits bei anderen Kandidierenden, kann bei Zierau eine große Vielzahl an Zielen festgestellt werden. Inwiefern diese in einer Amtszeit ohne erneute Verschuldung der Stadt realisierbar sind, müsste bei einer Wahl Zieraus die Zeit zeigen. 

Abschließend ist durch die durchgeführte Recherche festzuhalten, dass Dirk Zierau in seinem Wahlkampf auf verschiedene Eigenschaften seiner Person setzt, um Wählerstimmen zu generieren: seine Erfahrung in der Stadtverwaltung, seine Parteilosigkeit oder seinen zukünftigen Einsatz für die Bürger der Stadt. Er stellt auf seiner Internetseite eine breite Palette an Zielen vor, die er als neuer OB Rostocks realisieren möchte, wobei wie auch bei anderen Kandidaten die Umsetzbarkeit einer so großen Anzahl an Plänen kritisch betrachtet werden kann. 

Tobias Dietzek

Universität Rostock

LA Gym Sozialkunde/Geschichte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.