Wohin mit dem Klärschlamm in Rostock?

Autor: Dennis-Marius Thieme über die verfahrene Situation zum Klärschlamm in Rostock

Wenn es nach der Stadtverwaltung geht, möchte Rostock grüner werden. Eine Möglichkeit zur Erlangung dieses Ziels ist eine Klärschlammverwertungsanlage. Bei einer genaueren Betrachtung der Sachlage zeigt sich jedoch eine große Problematik (gesetzlich wie ökologisch) mit dem Klärschlamm in Rostock. Dieser beinhaltet Reste aus dem Kohlekraftwerk im Überseehafen (z.B. Quecksilber) sowie Hormone, medizinische Reste und weitere chemische Überbleibsel. Dadurch ist es seit einiger Zeit verboten, den Klärschlamm auf die Felder zu bringen. Dieser wird, in mittlerweile nicht geringen Mengen, in weit entfernte Städte gebracht, um dort fachgerecht entsorgt oder gelagert zu werden.  

Um diese Problematik zu lösen, waren einige Vertreter der Hansestadt Rostock in Zürich und haben sich vor Ort eine moderne Klärschlammverwertungsanlage angeschaut. Die Ausgangssituation ist mit Rostock gut vergleichbar. In der Nähe der Züricher Einrichtung befinden sich, wie in Rostock, einige Wohnhäuser sowie ein Fluss. Außerdem steht die Verbrennungsanlage direkt an einem Klärwerk. Die Vertreter aus Rostock sagten, es kommt zu keinem üblen Geruch und die Lautstärke-Belästigung ist ebenfalls sehr gering. Die gleichen Informationen vermittelt das Klärwerk in Zürich. Es ist eine der modernsten Anlagen in Europa.  

In Rostock steht fest, dass eine solche Einrichtung ebenfalls gebaut werden soll. Die Fraktionen im Rathaus sind sich hingegen nicht einig über den Standtort und über das abschließende Verfahren der Schlammverwertung. Es gibt mehrere Verfahren, die zur Auswahl stehen und bereits in der Industrie Anwendung finden. An weiteren wird geforscht, diese sind jedoch noch nicht für eine industrielle Anwendung bereit. 

Nach bisherigen Erkenntnissen soll das Verfahren der Phosphor-Rückgewinnung aus der Asche das Mittel der Wahl sein. Das Phosphor-Recycling bildet einen Teil des Verbrennungs-Prozesses. Die Problematik hierbei ist die Komplexität des Recyclingverfahrens. Um ökologisch und wirtschaftlich profitabel zu sein, werden pro Jahr mindestens 50.000 bis 100.000t Asche benötigt. Bei dieser Masse könnte und muss Rostock anderen Städten die Verbrennung dessen Klärschlamms anbieten. Dabei käme es zu weiteren Klärschlamm-Transporten aber auch zu weiterem Profit.  

Die Bürgerschaft im Rostocker Rathaus hat verschiedene Standorte, hinsichtlich ihrer Eignung für die Verbrennungsanlage, bewerten lassen. Für den Standort in Bramow spricht der Anschluss an das Fernwärmenetz. Die gewonnene Energie kann direkt in das Netzwerk eingespeist werden und nach bisherigen Schätzungen ca. 5000 Haushalte mit Wärme beliefern. Doch die Bürger aus der direkten Umgebung befürchten, die neue Anlage könnte Gestank und Lärm erzeugen. Diese Argumente sind jedoch haltlos, wie die Anlage in Zürich zeigt. Ein weiteres Gegenargument ist die vermehrte Lieferung von Klärschlamm mittels LKWs. Dies entspricht der Wahrheit, doch fahren bereits jetzt viele LKWs mit Klärschlamm durch Rostock. Es würde dennoch zu einem erhöhten Aufkommen des Klärschlammtransportes kommen. Andere Standorte, wie der Überseehafen, wurden von der Bürgerschaft abgelehnt. Grund ist beispielswiese der fehlende Anschluss an das Fernwärmenetz und das bereits hoch ausgebaute Gewerbegebiet.  

Die folgenden Punkte können festgehalten werden. Eine solche Anlage generiert bei der Verbrennung weiteres Kohlenstoffdioxid und die Belastung der Straßen durch Klärschlammtransporte würde zunehmen. Weiterhin kostet das Projekt ca. 50 Millionen Euro. Auf der anderen Seite sind die jetzigen Transporte des Rostocker Klärschlamms in Städte wie Hamburg ebenfalls stark belastend für die Umwelt und eine solche Einrichtung kann für die Stadt profitabel sein. Außerdem würde die Verbrennung des Klärschlamms Energie und Wärme generieren. Das Beispiel Zürich zeigt, wie gut die Entscheidung sein kann. Die Frage ist, ob dies auch auf Rostock zutrifft.  

Dennis-Marius Thieme

Universität Rostock

B.A. Politikwissenschaft / Germanistik

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