Was ist wissenschaftlich?

Autor: Nicolas Bahr philosophiert über den Begriff der Wissenschaftlichkeit.

Wissenschaft, wissenschaftlich, Wissenschaftler… sind Begriffe beziehungsweise Worte, welche jedem etwas sagen dürften, unter denen sich jeder etwas vorstellen kann. Wenn es aber darum geht, exakt zu definieren, was nun unter wissenschaftlichem Arbeiten verstanden wird, könnten, meiner Einschätzung nach, viele ins Stocken geraten. Aus diesem Grund wird im folgenden Artikel versucht, eben dieses „Paradox“ ein wenig zu entwirren und zwar aus zwei Perspektiven: Erstens soll eine möglichst objektive und multiperspektivische (noch so ein komischer Begriff, siehe hier: coming soon) Zusammenfassung zum Begriff der Wissenschaftlichkeit geschaffen werden – was bedeutet wissenschaftliches Arbeiten heutzutage? Zweitens wird, auch anhand des vorrangegangenen Resümees, der wissenschaftliche Anspruch des „What’s Up – Magazins“ erläutert, um euch, also unseren Lesern, transparent darzulegen, wie dieser Grundsatz in unserer Arbeitsweise verwirklicht wird.

Part I: Was ist beim Lesen dieses Abschnittes zu beachten? Es wird sich zwar auf verschiedene Literatur bezogen, aber aufgrund dessen, dass hier ein Artikel und keine Bücherreihe geschrieben wird, kann selbstverständlich nicht davon ausgegangen werden, dass alle Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens aufgezeigt werden. Trotz dessen wird der Anspruch erhoben, eine möglichst verständliche und umfassende Zusammenfassung/Aufschlüsselung zu bieten. Jeder, der mehr wissen möchte, kann ja einfach mal in die Literatur, welche im Quellenverzeichnis angegeben ist, reinschauen.

Los geht’s. Bevor wir zu „Wissenschaft“ kommen – was ist eigentlich dieses „Wissen“, welches durch WissenSCHAFT geschaffen wird? Berit Sandberg erklärt dies in Ihrem Buch „Wissenschaftliches Arbeiten von Abbildung bis Zitat“ folgendermaßen: „Wissen [steht] für eine wahre, begründete Aussage.“ (Sandberg, S. 3) Weiterhin wird „Wissen“ durch den Zwang zu Beschreibungen und Begründungen von Intuition, Glauben und Vermutungen abgegrenzt. Kommt nun Wissen in Form von systematischer Forschung zustande, könne von „Wissenschaft“ gesprochen werden.

Jetzt kommt natürlich die Frage auf, was systematische Forschung ist, womit wir endlich zu „wissenschaftlichem Arbeiten“ kommen. Laut Sandberg ist Wissenschaft durch die systematische Ordnung und Erklärung von bestimmten Aspekten der Wirklichkeit bzw. die „[…] gezielte und geordnete gedankliche Durchdringung [relevanter] Probleme“ (Sandberg, Seite 5) gekennzeichnet, was sie wiederum auch von allgemeinem Alltagswissen abgrenzt. Axel Bänsch und Dorothea Alewell definieren in Ihrem Werk „Wissenschaftliches Arbeiten“ eben dies bzw. Wissenschaft wie folgt: Die Grundlage jeder wissenschaftlichen Tätigkeit sei die Suche nach Wahrheit und neuen Erkenntnissen und im Sinne dessen das Bestreben/Vorhaben, den aktuellen Forschungsstand durch eigenständige Antworten auf neue oder bestehende Fragen zu erweitern. Hierbei sei jedoch die Einhaltung „guter wissenschaftlicher Praxis“ zu beachten – was bedeutet das? Ein wichtiger Punkt sei die durchgängige Respektierung von geistigem Eigentum anderer, respektive also Beweise/Fußnoten und Literatur/Quellen-Angaben. Dementsprechend ist das plagiieren von geistigem Eigentum, also das stehlen von eben jenem ebenso ein No-Go. Dies ist wahrscheinlich allgemein bekannt, weshalb gefragt werden sollte: Was sind weitere Elemente wissenschaftlichen Arbeitens? Niklas Lenhard-Schramm, ebenso wie Sandberg erwähnen in diesem Sinne ausdrücklich die „intersubjektiv nachvollziehbare Vorgehensweise“: Die wissenschaftliche Forschung müsse auf offengelegten Vorgehensweisen und auf klar definierten Begriffen und Systemen beruhen. Eine solche nachvollziehbare Vorgehensweise führt letztendlich dazu, dass andere Forscher die Erkenntnisse einschätzen und beurteilen können. Kurz gesagt: Methoden und Begriffe müssen eindeutig erklärt/definiert werden. Ein weiterer Punkt sind „[…] Theorien, die Modelle zur Beschreibung und Erklärung der Wirklichkeit liefern, und zum anderen Tatsachen und Beobachtungen, die diese Theorien empirisch untermauern.“ (Sandberg, S. 13) Auch die Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse ist ein wichtiger Bestandteil eben dieser. Zum einen setzt „gute wissenschaftliche Praxis“ eine Kommunikation der Forschungsergebnisse zu einem Fachpublikum voraus, um diese quasi zur Diskussion freizugeben. Weiterhin sollen sie aber auch extern (an die Öffentlichkeit) und intergenerativ (durch Lehre oder Ausbildung) kommuniziert werden. Der Soziologe Robert K. Merton hat im Jahr 1942 die sogenannten „CUDOS“-Kriterien aufgestellt. Sandberg erklärt diese wie folgt:

„1. Kommunitarismus (communitarism): Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse sind mit den Angehörigen der Forschergemeinschaft und der Öffentlichkeit zu teilen. Der Forscher hat kein „intellektuelles Eigentum“ an seinen Forschungsergebnissen, das es ihm erlauben würde, sie aus nicht wissenschaftlichen Gründen geheim zu halten.

2. Universalismus (universalism): Forschungsergebnisse sind unabhängig von Merkmalen der Person wie Nationalität, ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht oder sozialer Status zu bewerten und auf
ihre Allgemeingültigkeit zu prüfen.

3. Uneigennützigkeit (disinterestedness): Erkenntnisstreben dient allein der Wahrheit und nicht eigennützigen Interessen des Forschers.

4. Originalität (originality): Wissenschaft muss einen Erkenntnisgewinn bringen, etwa eine neue Problemstellung, einen neuen methodischen Zugang oder eine neue Theorie.

5. Skeptizismus (scepticism): Alle Erkenntnisse sind kritisch zu prüfen, bevor sie allgemein anerkannt werden, und Bewertungen erfordern hinreichende Beweise.“ (Sandberg, S. 15f.)

Abschließend zu all diesen Erläuterungen „guter wissenschaftlicher Praxis“ sei jedoch noch eins zu bedenken: 1. Die Liste der Methoden ist auf keinen Fall vollständig. 2. Wie Sandberg in Ihrem Werk schon sagt, folgt wissenschaftliche Forschung anerkannten Methoden. Dass diese Methoden anerkannt sind, heißt jedoch nicht, dass diese auch unfehlbar sind. In der Philosophie gibt es einen Fachbereich, welcher sich Wissenschaftskritik nennt und sich, grob gesagt, mit den Praktiken wissenschaftlichen Arbeitens beschäftigt, Fehler aufzeigt und versucht Lösungsmöglichkeiten zu ergründen. Die aufgezeigten aktuellen Standards sind also keinesfalls unfehlbar, sondern lediglich, wie schon erwähnt, bewährt und von einem Großteil der wissenschaftlichen Community anerkannt. Es sollte allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass diese verbessert oder angepasst werden können. Schließlich hat sich die wissenschaftliche Praxis bis heute dauerhaft weiterentwickelt und wird es (vermutlich) auch weiter tun.

Part II: Zu allererst eine kleine Entschuldigung – Part I dieses Artikels ist recht lang geworden und möglicherweise ein wenig schwieriger zu lesen, als andere Schriften des „What’s Up – Magazins“. Das Thema ließ aber leider keine weiteren Kürzungen zu, schließlich gibt es ganze Bücher zum Thema Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit.

Kommen wir nun wirklich zu Part II. Das „What’s Up – Magazin“ erhebt den Anspruch, ein wissenschaftliches Online-Magazin zu sein. Allerdings veröffentlichen wir keine wissenschaftlichen Arbeiten, sondern größtenteils kurze und knackige Artikel zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Wie passt das zusammen? Wie schon erwähnt sind wissenschaftliche Standards nicht allgemeingültig und können/müssen auf bestimmte Begebenheiten angepasst werden. Momentan können wir nicht alle allgemeingültigen Standards „guter wissenschaftlicher Praxis“ erfüllen, schon allein aus Personal- und Zeit-Einschränkungen. Jedoch versuchen wir uns diesem Ideal größtenteils anzunähern. Dies geschieht, indem wir uns zu allererst auf, unserer Meinung nach, wichtige Standards beschränken.

Einer der bedeutendsten ist, wie schon erläutert, die „intersubjektiv nachvollziehbare Vorgehensweise“. Dies wird versucht, mit eben diesem Artikel, durch mehr Transparenz, ein wenig stärker umzusetzen: Sobald ihr, die Leser, wisst, was wir mit „Wissenschaftlichkeit“ meinen, könnt ihr unsere Veröffentlichungen und deren Inhalt selbstverständlich auch besser einschätzen. Weiterhin wird auch darauf geachtet, Plagiate zu unterbinden, indem Quellen und Literatur angegeben und Zitate direkt im Text belegt werden. Auch wird nicht alles als Literatur/Quelle zugelassen: Pseudowissenschaftliche oder gar falsche Schriften werden bestmöglich aussortiert. Objektivität (ein nahezu unerreichbarer Wunschtraum) wollen wir durch größtmögliche Multiperspektivität erreichen. Das gängige Peer-Review-Verfahren der Schulwissenschaft versuchen wir intern umzusetzen, indem alle Artikel von den Redaktionsmitgliedern vor Veröffentlichung überprüft werden.

Letztendlich kann also davon gesprochen werden, dass das „Whats-Up Magazin“ zum momentanen Zeitpunkt, gemessen an allgemeingültigen Standards, als semi-wissenschaftlich einzustufen ist. Die Veröffentlichungen erheben nicht den Anspruch, wissenschaftliche Arbeiten darzustellen, da oftmals keine neuen Erkenntnisse generiert, sondern nur bekannte Erkenntnisse dargestellt werden. Jedoch versuchen wir, wie schon erläutert, unsere Arbeitsweise wissenschaftlich zu gestalten.

Link zu den What’s Up – Grundsätzen

Nicolas Bahr

Universität Rostock

MA Politikwissenschaft

Literatur/Quellen:

Bänsch, Axel; Alewell, Dorothea: Wissenschaftliches Arbeiten, Oldenburg 2013.

Sandberg, Berit: Wissenschaftliches Arbeiten von Abbildung bis Zitat, Berlin/Boston 2017.

Lenhard-Schramm, Niklas: Was ist wissenschaftlich. (https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/wissenschaftstheorie/preisfrage/schramm_-_was_ist_wissenschaftlich.pdf), zuletzt abgerufen am: 30.10.2019.

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