Von Influencer*Innen und gläsernen Decken

Autorin: Deborah Eiskirch kommentiert den Gender Pay Gap

Artist: Jonas Christiansen (https://www.instagram.com/jonaas_20/)

Eine neue Studie zur Bezahlung von Influencer*Innen lenkt die Debatte erneut auf den Gender Pay Gap. Hier geht es um seine Ursachen, Auswirkungen und die Kompromisse, die man in der deutschen Politik noch eingehen kann.

Noch immer gibt es innerhalb Politik und Gesellschaft Diskussionen über die bestehenden Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen. Eine Studie der Influencer – Analytics – Firma Hype Auditor lenkte in den vergangenen Wochen erneut Aufmerksamkeit auf das Thema der Lohngleichheit zwischen Geschlechtern. Die Studie beschäftigte sich mit dem Einkommen von Influencer*Innen, also Menschen, die innerhalb sozialer Medien verschiedene Formen des Marketings betreiben und als sogenannte Meinungsmacher gelten. Vor allem in den vergangenen Jahren stiegen ihre Bedeutsamkeit und Popularität deutlich an. In Deutschland sind es Personen wie Pamela Reif (3 Millionen Follower*Innen), Melina Sophie (3,2 Millionen Follower*Innen) oder Lisa und Lena (11 Millionen Follower*Innen), die durch ihre Social Media Präsenz eine enorm große Anzahl an Menschen erreichen. Im Vergleich: Spiegel Online hat etwa 4,5 Millionen Leser*Innen.

Im Rahmen der Studie untersuchte man das Einkommen pro geteilten Post und pro Story von über 1600 Influencer*Innen aus mehr als 40 Ländern.

Gerade da der Beruf der Influencer*Innen, wie wir ihn heute kennen, durch junge Menschen geprägt ist, sollten auch moderne Berufsbedingungen gelten. Allerdings kommt die Studie zu einem anderen Ergebnis. Das Gehalt der weiblichen und männlichen Teilnehmenden unterscheidet sich maßgeblich. Die männlichen Influencer verdienen im Durchschnitt sieben Prozent mehr als weibliche Influencerinnen. Je nach Reichweite der jeweiligen Personen wurden sogar Gehaltsunterschiede bis zu 30 Prozent festgestellt. Die Lücke zwischen dem Einkommen der Frauen und dem der Männer wächst mit der steigenden Anzahl von Follower*Innen. Begründen lässt sich dieser Unterschied nicht durch die Rarität männlicher Influencer. Laut Hype Auditor hält sich die Häufigkeit von Frauen und Männern in diesem Beruf die Waage.

Ein Influencer mit 100 000 oder mehr Follower*Innen verdient im Schnitt 2643 US-Dollar pro Post, eine Influencerin mit der gleichen Anzahl an Follower*Innen bekommt 2420 Dollar. Für eine gepostete Instagram Storie erhalten Männer mit mindestens 100 000 Follower*Innen 408 US-Dollar, Frauen dagegen etwa 202 US-Dollar.

Der sogenannte Gender Pay Gap, der hier zur Geltung kommt, beschreibt im Allgemeinen eine geschlechtsspezifische Lohnlücke und zeigt den prozentualen Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen. Das sind derzeit 21 Prozent in Deutschland.

Es gibt drei wesentliche Faktoren, die diese Lohnlücke bedingen: Die Segregation des Arbeitsmarktes beschreibt einerseits, dass Geschlechter innerhalb von Berufen ungleich verteilt sind. So gibt es deutlich mehr Frauen in sozialen und schlechter dotierten Berufen als Männer. Andererseits spielt auch die unausgeglichene Balance von Frauen und Männern in Führungspositionen eine Rolle. Dabei kommt das Phänomen der Gläsernen Decke zum Vorschein. Die Gläserne Decke bezeichnet den Umstand, dass Frauen auf nicht sichtbare Hindernisse stoßen, wenn sie den Aufstieg in höhere Positionen anstreben. Vor allem, wenn männliche Chefs über Beförderungen entscheiden, wählen sie bei gleichen Qualifikationen seltener die Frau aus. Dabei spielen Gedanken, dass Frauen weniger belastbar seien und öfter auf Grund ihres Familienlebens ausfallen, eine entscheidende Rolle. Der letzte Grund bedingt sich durch die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. Obwohl Frauen und Männer bis kurz vor Beginn des 30. Lebensjahres noch gleich viel verdienen, entsteht an dieser Stelle der sogenannte Karriere- und Gehalts-Knick. Denn genau zu dieser Zeit gründen die meisten Frauen eine eigene Familie und müssen ihr Berufsleben unterbrechen. Auch danach neigen Frauen dazu, häufiger Teilzeit zu arbeiten und sich stärker für das Wohlergehen der Familie einzusetzen. Löst man diese Faktoren aus der Berechnung des Gender Pay Gap, bleiben nach wie vor sieben Prozent Gehaltsunterschied.

In den letzten Jahren hat sich deutschlandweit nur wenig an diesen Zahlen geändert.
1991 verdienten Frauen monatlich 566 Euro weniger als Männer, 2012 sind es 670 Euro Unterschied. Der Plan der Bundesregierung ist es, bis 2030 auf eine unbereinigte Lohnlücke von zehn Prozent zu kommen. Dass es möglich ist, die Lohnlücke einzudämmen, zeigt Slowenien. Bereits 2012 lag dort der Unterschied nur noch bei zweieinhalb Prozent.

In der Debatte um den Gender Pay Gap kann die Frauenquote eine unterstützende Funktion einnehmen. Bei gleicher Qualifikation von Bewerber*Innen verschiedenen Geschlechts, führt die Quote dazu, vermehrt Frauen einzustellen.

Soziale und von Frauen dominierte Berufe besser zu bezahlen, sollte genauso ein Ziel sein, um den unbereinigten Gender Pay Gap anzugleichen. Außerdem muss man Frauen die Möglichkeit geben, die Zeiten der Erwerbsunterbrechungen zu minimieren. So muss man für eine bezahlbare Form sorgen, Kinder zu betreuen und junge Mädchen motivieren, aus traditionellen Geschlechterrollen auszubrechen.

Übrigens: Am 17.03.2020 findet der Equal Pay Day statt. Rechnet man die Lohnlücke auf, hätten Frauen 2020 bis zu diesem Tag kostenlos gearbeitet.

Deborah Kircheis

Universität Rostock

BA Politikwissenschaft/Kommunikations- und Medienwissenschaft

Literatur/Quellen:

https://www.uni-paderborn.de/universitaet/genderportal/gender-glossar/glaeserne-decke/
https://www.zeit.de/thema/frauenquote
https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/187830/gender-pay-gap
https://gender-glossar.de/glossar/item/31-arbeitsmarktsegregation
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/frauen-im-nachteil-maennliche-influencer-verdienen-deutlichmehr-auf-instagram/25457826.html
https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap.html
https://onlinemarketing.de/news/gender-pay-gap-im-influencer-marketing-so-viel-mehr-verdienen-maenner-aufinstagram

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.