Über US-Truppen, Ramstein und Drohnen – Teil I

Autor: Nicolas Bahr berichtet über die Zusammenhänge zwischen Ramstein und dem Drohnenkrieg

Donald Trump, US-Amerikanischer Präsident, kündigte vor Kurzem an, die Anzahl der in Deutschland stationierten US-SoldatInnen von 34.500 auf 25.000 zu reduzieren, so berichtete die Tagesschau. Doch um dieses Thema soll es hier eigentlich gar nicht gehen. Vielmehr werden die in Deutschland verbleibenden SoldatInnen betrachtet, warum diese überhaupt hier sind, was dies für Kontroversen mit sich bringt und was „Ramstein“ damit zu tun hat.

Das gesamte Spektrum dieses Themenkomplexes kann allerdings nicht in einem kurzen Artikel umrissen werden, weshalb sich hier ein wenig spezialisiert wird. Folgende Fragen sollen im Zuge dessen, in diesem Artikel und dem zweiten, ergänzenden, Bericht beantwortet werden: Warum sind US-Truppen in Deutschland stationiert? Was hat es mit „Ramstein“ und dem Drohnenkrieg auf sich? Und zu guter Letzt: was hat die Friedensbewegung damit zu tun?

Die Einleitung dieses Berichtes war vielleicht ein wenig verwirrend (Abzug von SoldatInnen –> US-SoldatInnen in Deutschland –> Ramstein à Drohnenkrieg –> Friedensbewegung), hier also noch eine kurze Erklärung zum Gedankengang hinter der Themenkette: Folgt man den Aussagen des RND ist die Air Base Ramstein in der Pfalz der international größte US-Stützpunkt der Supermacht außerhalb des eigenen Territoriums. Allein aufgrund dieser Tatsache lohnt sich höchstwahrscheinlich ein Blick darauf, was diese Basis nun genau ist, warum es sie gibt und was dort so passiert. Alle weiteren Glieder der Themenkette werden sich im Folgenden hoffentlich von selbst erklären. 😉

Kommen wir nun endlich zur ersten aufgeworfenen Frage. Warum US-SoldatInnen überhaupt in Deutschland stationiert sind, ist allerdings nicht allzu leicht zu beantworten. Laut Gunther Hauser gibt es auch nicht „den einen Grund“ dafür, warum weltweit US-Stützpunkte verteilt sind, sondern viele verschiedene Begründungen für ebenso viele Standpunkte. Hier noch kurz ein paar Zahlen zum besseren Verständnis der US-Amerikanischen Truppenanzahl im Ausland: Im Jahr 2011 seien laut Hauser rund 500.000 US-SoldatInnen im Ausland stationiert gewesen. 8000 davon sind laut RND in der Air Base Ramstein untergebracht. Es kommt eine weitere Frage auf: Kann denn zumindest gesagt werden, warum US-SoldatInnen in dieser Einrichtung stationiert sind? Die Antwort hierzu ist schon etwas eindeutiger, obwohl auch in diesem Bereich Informationen schwer zu finden sind. Die folgende Historie basiert auf einem Artikel von Dr. Silvano A. Wueschner von der Website „www.kaiserslauternamerican.com“. (US-Amerikanische Wochenzeitschrift für die militärischen Gemeinschaften in Ramstein, Kaiserslautern, Landstuhl & Baumholde)

Geschichtlich muss am Ende des zweiten Weltkriegs angefangen werden, wenn über die Air Base Ramstein gesprochen wird. Die Außen- und Sicherheitspolitik der USA richtete sich nach dem Jahr 1947 nach der sogenannten Truman-Doktrin , welche für eine Eindämmung kommunistischer Expansion stand. Aufgrund dessen seien die Streitkräfte ausgebaut worden, was wiederum weitere Basen zur Unterbringung eben dieser bedurfte. Letztendlich wurden in Deutschland sechs Basen auf der westlichen Seite des Rheins errichtet – Ramstein ist eine davon. Die Position sei strategisch auf Grund der topographischen Begebenheiten gewählt worden: Der Rhein bildete eine natürliche Barriere gegen mögliche sowjetische Aggressionen. Laut Wueschner bestehe das Prinzip hinter den west-rheinischen Basen bis heute: Man operiert aus einer politisch stabilen Region heraus in politisch weniger stabilen Regionen, wie beispielsweise in Südwest-Asien, dem Mittleren Osten oder auch verschiedenen afrikanischen Regionen. Es scheint somit eine Möglichkeit zu sein, dass es an der Praktikabilität für die US-Amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik liegt, weshalb Stützpunkte wie Ramstein in Deutschland immer noch aktiv sind. Ellen Hasenkamp und Stefan Kegel von der Lausitzer Rundschau beschreiben die Lage wie folgt: „Für die USA sind die Basen in Deutschland verkehrsgünstige und sichere Stützpunkte.“ (4)

Auch wenn die Frage nicht abschließend beantwortet werden konnte, machen wir zunächst erstmal weiter: Was hat es nun mit Ramstein und dem Drohnenkrieg auf sich? Die Antwort hierauf ist recht einfach: Laut Thomas Mickan wird von Ramstein aus der US-Amerikanische Drohnenkrieg geführt. Aber was ist das eigentlich? Eine genaue und einheitliche Definition existiert nicht, weshalb eine Umschreibung genügen muss. Laut Ulrich Bröckling fand die erste (bekannt gewordene) Tötung durch eine bewaffnete Drohne am 04. Februar 2002 in Afghanistan statt. Infolgedessen seien Drohnen unter der Bush-Administration immer häufiger zur Beseitigung von „High-Value-Targets“ eingesetzt worden. Barack Obama weitete das Drohnenprogramm ebenfalls aus, wobei Drohnen ein Drittel der US-Amerikanischen Kriegsflotte ausmachten. (Stand 2013) Weiterhin gäbe es zwei US-Drohnenprogramme: Ein militärisches zur Bekämpfung feindlicher Kräfte in Kriegsgebieten und ein weiteres , von der CIA betriebenes, welches sich gegen Terrorverdächtige auf der gesamten Welt richte.

Es bleibt nun lediglich die Beantwortung der letzten Frage: Was hat die Friedensbewegung mit alldem zu tun? Die Beantwortung dieser Frage geht mit den ethischen Bedenken und Kontroversen gegenüber dem Drohnenkrieg einher. All das wird jedoch erst im nächsten Artikel beantwortet, welchen ihr unter folgendem Link finden könnt: coming soon

Nicolas Bahr

Universität Rostock

MA Politikwissenschaft

Literatur und Quellen:

1 https://www.tagesschau.de/ausland/usa-polen-militaer-101.html

2 https://www.rnd.de/politik/ramstein-und-der-abzug-der-amerikaner-dann-ware-das-hier-totes-land-OJZN6AGRKFAV7OFPG3O3DUCFUU.html

3 https://www.kaiserslauternamerican.com/the-history-of-ramstein-air-base/

4 https://www.lr-online.de/nachrichten/politik/fragen-und-antworten-zur-us-truppenpraesenz-in-deutschland-alte-drohungen_-neuer-aerger-38336106.html

5 Bröckling, Ulrich: Heldendämmerung? Der Drohnenkrieg und die Zukunft des militärischen Heroismus, in: Behemoth. A Journal on Civilisation, 2015 Volume 8 Issue No. 2. Seite 97-107.

6 Hauser, Gunther: Die Sicherheits- und Verteidigungsstrategien der USA 1987 bis 2017. Anspruch und Wirklichkeit, Wien 2017.

7 Mickan, Thomas: Der US-Drohnenkrieg und die Rolle Deutschlands, Tübingen 2013. (http://www.imi-online.de/download/dezember2013mickan.pdf)

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