Medienkompetenz & Meinungsbildung – Woher beziehen wir unsere Nachrichten?

Autor: Dennis Schult über den Umgang mit und die Einstellung zu verschiedensten Informationskanälen

Jeden Tag werden wir mit Nachrichten konfrontiert, die sich über die verschiedensten Medienkanäle global verbreiten und uns analog als Zeitung, über den Fernseher oder digital auf unserem Smartphone begegnen können. Dabei verarbeitet jeder Mensch neuste Entwicklungen unterschiedlich – so werden „Informationen, die die eigene Meinung oder politische Einstellung unterstützen, bevorzugt aufgenommen und integriert“ (1).Was für Chancen und was für Gefahren sich aus dem digitalen Wandel des Nachrichtenkonsums ergeben, wird in einem zweiteiligen Beitrag thematisiert. Dazu stellt dieser Artikel heraus, was für Kanäle wir für die Aufnahme von Informationen zum Tages- und Weltgeschehen vorrangig wählen, was für eine Einstellung wir zu Nachrichten haben und wie junge Erwachsene mit dem Angebot an Nachrichtendiensten umgehen.

Gerade die digitalen Medien sind für das Konsumieren von Nachrichten im Trend und konnten in Zeiten der Corona-Pandemie erneut an Popularität dazugewinnen, allen voran Instagram (2) (seit 2016von 1% auf 20%) – dies hat eine repräsentative Studie ergeben, die jährlich unter anderen vom Reuters Institute und der University of Oxford veröffentlicht wird. In diesem Jahr wurden für den „Reuters Institute Digital News Report 2020“ sowohl Forschungsergebnisse aus den Monaten von Januar und Februar vor Ausbruch der Corona-Pandemie mit einbezogen, als auch Resultate aus einer Online-Befragung, die in 40 verschiedenen Ländern bei über 80.000 Befragten von Februar bis April 2020 durchgeführt wurde (Für eine Auflistung der Länder siehe Reuters Institute Digital News Report 2020).

Die erste Wahl für den Konsum von Nachrichten ist weltweit nach wie vor das Fernsehen mit 72%. Darauf folgen Online-Angebote inklusive Social-Media mit 69% (davon Social-Media 39%) und als Schlusslicht die klassischen Print-Medien mit 26% (3). Relativ hoch ist in den 40 teilnehmenden Ländern die Skepsis gegenüber Nachrichten. Das Vertrauen in Nachrichten generell ist in den vergangenen fünf Jahren in der Vergleichsgruppe sogar noch leicht gesunken – in Großbritannien hat die Zustimmung verhältnismäßig stark abgenommen um 12 Prozentpunkte auf aktuell 28% (4).Das meiste Vertrauen in Nachrichten haben Finnland und Portugal mit 56%, Deutschland landet mit 45% im oberen Mittelfeld und Südkorea mit 21% auf dem letzten Platz.

Eine deutsche Teilstudie, organisiert von dem „Leibniz-Institut für Medienforschung Hans-Bredow-Institut“,erforschte in diesem Zusammenhang das Nutzungsverhalten von Medien, unter anderem hinsichtlich des Interesses an Nachrichten, der Relevanz unabhängigen Journalismus und die Verwendung verschiedener Medienangebote (5). Es hat sich gezeigt, dass das Interesse an Nachrichten in Deutschland mit zunehmendem Alter steigt: Sind bei den über 55-Jährigen noch 78% dabei, die überaus und sehr an Nachrichten interessiert sind, so sind es bei den 18-24-Jährigen nur 50%. Insgesamt sank das Interesse an Nachrichten über die letzten 7 Jahre um neun Prozentpunkte von 80% auf 71%.Wie sich die Tendenz in Zukunft entwickeln könnte, dazu macht die Studie keine Angaben.

Einstellungen zu Nachrichten und Medienkonsum junger Erwachsener

Insbesondere für die Gruppe der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren ergaben sich bedeutsame Entwicklungen. Demnach stufte jede vierte Person die Gesellschaftsrelevanz von unabhängigem Journalismus als unwichtig ein oder hatte keine Meinung dazu. Schaut man bei dieser Fragestellung bezüglich einer Vergleichsgruppe genauer hin, so kann man folgendes feststellen: Bei jungen Erwachsenen, die sich keiner politischen Orientierung („Links“, „Mitte“ oder „Rechts“) zugehörig fühlen, würde nur rund die Hälfte der Befragten (53%) unabhängigen Journalismus für das einwandfreie Funktionieren des Staates als wichtig einordnen. Die Hauptnachrichtenquelle ist für fast drei Viertel der 18-24-Jährigen das Internet (73%).Wie sich die Nutzung auf die einzelnen Bereiche verteilt ist auf der folgenden Abbildung zu sehen (5):

Sie haben angegeben, dass Sie diese Nachrichtenquellen letzte Woche genutzt haben. Welche davon würden Sie als Ihre HAUPT-Nachrichtenquelle bezeichnen? (Basis n=2011) Quelle: https://www.hans-bredow-institut.de/uploads/media/default/cms/media/66q2yde_AP50_RIDNR20_Deutschland.pdf

Für den Bereich der sozialen Medien ergibt sich folgendes Bild (5):

Welche der folgenden Dienste haben Sie letzte Woche genutzt, um Nachrichten zu suchen, zu lesen, anzuschauen, zu teilen oder um darüber zu diskutieren, falls überhaupt einen? Bitte wählen Sie alle zutreffenden Antworten aus. (Basis n=2011) Quelle: https://www.hans-bredow-institut.de/uploads/media/default/cms/media/66q2yde_AP50_RIDNR20_Deutschland.pdf

In diesem Artikel fand die vorrangige Betrachtung bestimmter Altersgruppen und spezifischer Fragestellungen statt –für ein umfangreicheres Bild aller Ergebnisse der Studien können die entsprechenden Links unter den Literaturangaben abgerufen werden. Medienkompetenz und Meinungsbildung werden auch in einem folgenden Artikel im Vordergrund stehen. Als Basis für die weitere Auseinandersetzung kann im nächsten Beitrag auf die verschiedenen Medienkanäle und den Medienkonsum Bezug genommen werden, um die Risiken der digitalen Nachrichtenaufnahme genauer zu betrachten – Was für einen Einfluss haben dabei „Fake News“, „Algorithmen“ oder „Social bots“? Merken wir es eigentlich, wenn jemand versucht unsere Meinung zu manipulieren? Glaubt man einigen aktuellen Berichterstattungen, so sollte die Gefahr insbesondere von rechtsextremen Netzwerken im Internet nicht verharmlost werden, die ebenfalls Nachrichteninhalte publizieren: „Infokrieg – Wie eine Schattenarmee politische Diskurse beeinflussen will“ (6) (Y-Kollektiv).

Dennis Schult

Universität Rostock

LA Grundschule (Mathematik, Deutsch, Englisch, Sachunterricht)

Literatur und Quellen:

(1) Deutschlands Fachportal für politische Kommunikation. https://www.politik-kommunikation.de/ressorts/artikel/die-psychologie-des-postfaktischen-58723581

(2) Süddeutsche Zeitung: Nachrichten vor allem über Instagram. https://www.sueddeutsche.de/medien/journalismus-reuters-digital-news-report-nachrichten-1.4483637

(3) Netzpolitik.org: Corona-Krise beschleunigt Medienwandel. https://netzpolitik.org/2020/digital-news-report-corona-krise-beschleunigt-medienwandel/

(4) Reuters Institute Digital News Report 2020. https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/sites/default/files/2020-06/DNR_2020_FINAL.pdf

(5) Reuters Institute Digital News Report 2020. Ergebnisse für Deutschland. https://www.hans-bredow-institut.de/uploads/media/default/cms/media/66q2yde_AP50_RIDNR20_Deutschland.pdf

(6) Y-Kollektiv 63-minütiger Video-Beitrag. https://shelfd.com/video/infokrieg-wie-eine-schattenarmee-politische-diskurse-beeinflussen-will

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