Rassismus in den USA und der Welt

Autor: Dennis-Marius Thieme berichtet über den Verbleib rassistischer Denkmuster in unseren Köpfen

Wir schreiben das Jahr 2020. Informationen können im Bruchteil einer Sekunde um die Welt geleitet werden, der Mensch greift buchstäblich nach den Sternen und auf technologische Entwicklungen folgen immer weitere. Wir Menschen leben in einer dynamischen Moderne, sind aber unsere Gesellschaften auch modern oder hängen wir in veralteten und traditionellen Denkmustern fest?

Eine Lösung zur Beantwortung dieser Frage ist die Auseinandersetzung mit der Problematik des Rassismus. Die Einteilung in Rassen ist an politischen Interessen gebunden und hat einen ideologischen Ursprung[1]. Wenn wir uns mit Rassismus beschäftigen, gilt es erst einmal jenen Begriff zu definieren. Schnell stößt man hier auf das erste Problem. Der Begriff Rassismus ist nicht fest definiert, er kann aber eingegrenzt werden. Grundlage des klassischen Rassismus ist eine Ideologie, welche die Menschen in biologische Rassen einteilt, die wiederum genetisch vererbbare Merkmale haben. Darauf aufbauend können diese Rassen hierarchisch geordnet werden[2]. Wie die Welt hat sich auch der Rassismus weiterentwickelt. Unter dem neueren Rassismus wird in weiten Teilen ein Diskriminierungsmuster verstanden. Zudem kann Rassismus auch Ausdruck von gesellschaftlichen Machtverhältnissen sein. Über meist kulturelle Merkmale werden Menschen herabgewürdigt und ausgeschlossen. Grundlage des heutigen Rassismus ist das Wissen um die Zugehörigkeit einer Gruppe. Negatives Handel von Personen aus der eigenen Gruppe repräsentieren nicht die gesamte Gruppe, hingegen bei anderen Gruppen (meist mit unterschiedlichen kulturellen Merkmalen) wird das negative Handeln der einen Person auf die gesamte Gruppe übertragen. Durch Rassismus kann die dominierende Gruppe ihr Selbstbild wahren, sowie die gesellschaftliche Stellung[3]. Der klassische Rassismus war eine Ideologie zur Zeit des Imperialismus, der neure Rassismus legt weniger Fokus auf die biologischen Merkmale, als auf die kulturellen Differenzmakierungen.

In den USA hat Rassismus eine lange Tradition, bis zurück in die Gründungszeit. Mit der zunehmenden Polizeigewalt gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe hat sich eine internationale Gegenbewegung mit dem Namen „Black Lives Matter“ gebildet. Ursache ist neben dem strukturellen Rassismus auch die Wirtschafts- und Gesundheitskrise. Afro-Amerikaner sind überproportional von allen Krisen am stärksten betroffen. People of Color bekommen statistisch 20% längere Strafen für die gleichen Gesetzesverstoße, sie sind zudem viel häufiger arbeitslos und ärmer. Neben einer schlechteren Gesundheitsversorgung liegen ihre Chancen auf gute Bildung weit unter der ihrer weißen Mitbürger. Gefordert wird eine gerechtere Verteilung der sozialen und ökonomischen gesellschaftlichen Ressourcen in den USA[4]. In der gleichen Zeit sehen sich die westlichen Demokratien infolge der Flüchtlingsströme und einer globalisierten Welt mit erstarkenden rechtsradikalen Populisten konfrontiert. In Deutschland sind Moder mit rechtem Hintergrund ebenfalls keine Ausnahme mehr. Im Unterschied zu den USA sind solche rassistischen Positionen im öffentlichen politischen Raum noch nicht vertretbar[5].

Rassismus ist eines dieser veralteten Denkmuster, mit denen viele Gesellschaften Probleme haben. Wir stehen erst am Anfang mit einer Aufarbeitung der Thematik. Ein jeder sollte sich mit der Problematik beschäftigen, um sich ein eigenes Bild machen zu können.

Dennis-Marius Thieme

Universität Rostock

BA Politikwissenschaften/Germanistik

Quellen- und Literaturverzeichnis

[1] Vgl. https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/213673/rassen-gibt-s-doch-gar-nicht

[2] Vgl. https://www.humanrights.ch/de/ipf/menschenrechte/rassismus/dossier/was-ist-rassismus/?gclid=CjwKCAjwzIH7BRAbEiwAoDxxTl4m0rceihCZmFbZxb57Ba6CAg3J8EmpEm4JCAMNShm3Go7bc40RUhoC86UQAvD_BwE

[3] https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/223738/rassismus

[4] Vgl. https://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/deutschland-welt-politik_artikel,-systematischer-rassismus-in-den-usa-ein-blick-auf-die-fakten-_arid,1917611.html

[5] Vgl. Interview mit Christian Lammert ist Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Systeme Nordamerikas an der Freien Universität Berlin bei der Zeitschrift Forschung und Lehre

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